X -T R A und Fragestellungen ein. Foundation Models können perspektivisch genau diese Informationsräume zusammen- führen. Damit nähern sie sich stärker der tatsächlichen ärztlichen Arbeits- weise an als klassische Bilddetektoren. Beger beschrieb zudem agentische KI: Systeme, in denen spezialisierte KI-Agenten unterschiedliche fachliche Perspektiven einbringen, etwa in Tumor- boards. Noch bewegen wir uns hier im Bereich der Forschung und teilweise Science Fiction. Aber es zeigt, wie weit der Horizont reicht. Gleichzeitig steigen mit der Leis- tungsfähigkeit die Anforderungen an Sicherheit. Halluzinationen, Data Drift, Model Drift, Bias, unklare Haftung und regulatorische Unsicherheit sind keine Randthemen, sondern Kernfragen der Implementierung. Kliniken können Governance nicht allein tragen. Her- steller müssen Monitoring, Transpa- renz, Erklärbarkeit und kontinuierliche Validierung mitdenken. Beger verwies auf Ansätze wie Grounding: Ergebnisse werden an konkrete Bild- oder Textquel- len gebunden, um Halluzinationen zu reduzieren und Nachvollziehbarkeit zu erhöhen. In der Diskussion wurde deutlich: Start-ups und universitäre Spin-offs blei- ben wichtig, weil sie klinische Probleme oft besonders nah erkennen. Ihre Stärke liegt in der Grassroots-Perspektive: Sie entwickeln Lösungen aus einem kon- kreten radiologischen Bedarf heraus. Ihre Schwäche liegt häufig in Skalierung, Zertifizierung, Vertrieb und Plattform- integration. Wahrscheinlich wird der Markt beides brauchen: agile „Motor- boote“, die Innovationen vorantreiben, und große „Tanker“, die Deployment, Finanzierung und internationale Ver- breitung ermöglichen. Für die Teleradiologie ist diese Ent- wicklung besonders relevant. Teleradio- logische Netzwerke arbeiten per se digi- tal, verteilt und workfloworientiert. Sie erzeugen große Mengen standardisier- ter Bild- und Befunddaten und müssen rund um die Uhr Qualität, Geschwindig- keit und Verfügbarkeit sichern. Founda- tion Models könnten hier helfen, Unter- suchungen zu priorisieren, unauffällige Fälle vorzustrukturieren, Befunde zu standardisieren, Vorinformationen zu bündeln und Qualitätssicherung syste- matisch zu unterstützen. Gleichzeitig ist die Teleradiologie auf robuste Integra- tion angewiesen. Ein nicht eingebette- tes KI-Tool erzeugt im Nacht- oder Not- falldienst eher zusätzliche Reibung als Entlastung. Dr. Torsten Möller zeigte sich von der Geschwindigkeit der Entwicklung beein- druckt. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Teleradiologie (DGfT), Vorstand von Deutschlands größtem zertifizierten Teleradiologienetz reif & möller diagnostic-network ag und Mit- initiator der Veranstaltungsreihe sprach von einer neuen Phase der KI in der Radiologie: „Die Zukunft ist heute da.“ Foundation Models könnten erstmals Bildgebung, Vorbefunde, Laborwerte und klinische Kontextdaten zusammen- führen und damit eine deutlich umfas- sendere Unterstützung ermöglichen als bisherige Einzellösungen. Gleichzeitig mahnte Möller, bei aller technologi- schen Begeisterung ethische Fragen, Sicherheitsaspekte und die Qualität der Trainingsdaten nicht aus dem Blick zu verlieren. Dr. Uwe Engelmann warnte davor, den erhofften Effizienzgewinn durch KI automatisch mit mehr Zeit für Patienten gleichzusetzen. Schon frühere Digitali- sierungsschübe im Gesundheitswesen hätten gezeigt, dass gewonnene Zeit häufig nicht zu Entlastung, sondern zu zusätzlicher Arbeitsverdichtung führe, betonte der NEXUS / CHILI-Gründer und -Geschäftsführer. Dennoch sieht Engel- mann gerade in multimodalen Founda- tion Models enormes Potenzial: Wenn Bilddaten, Befunde, Laborwerte und kli- nische Informationen gemeinsam verar- beitet würden, könne KI den gesamten Patienten erfassen und damit tatsäch- lich einen qualitativen Sprung erreichen. Was bleibt also von der Ausgangs- frage? Foundation Models sind Hype, wenn man sie als sofortige Lösung für alle radiologischen Engpässe verkennt. Sie sind kein Ersatz für klinische Ver- antwortung, keine Garantie für korrekte Befunde und kein Freifahrtschein für unregulierte Automatisierung. Viele Modelle sind noch Forschung, viele Anwendungen nicht zugelassen, viele Leistungsversprechen müssen in realen klinischen Settings erst belegt werden. Sie sind aber ein Paradigmenwech- sel, weil sie die Architektur radiolo- gischer KI verändern. Weg von vielen isolierten Einzelalgorithmen, hin zu adaptiven Basismodellen, die Bild, Text und klinische Daten verbinden können. Weg von rein manueller Annotation, hin zu selbstüberwachtem Lernen aus vor- handenen Daten. Weg von Detektion 68 RadMag · 2-2026